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     Stand: 05.12.2013

   
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Die Story von einem besonderen Stein
erlebt und aufgeschrieben von Hans-Georg Ziburski - Bremen

der besondere Stein

Ein Stein in Zusammenhang mit Familienforschung - dann kann es sich doch nur um einen Grabstein handeln, sollte man meinen. Doch weit gefehlt! Unser Stein ist zwar auch von einem Steinmetzen bearbeitet, oder richtiger gesagt, geschaffen worden und diente zunächst ganz profan in einem vornehmen Haus als Inneneinrichtung und danach in einem Garten als Zierrat bis – ja, bis uns eines schönen Tages eine liebe Freundin mit dieser Überraschung besuchte: Ihre etwa 150 m von uns entfernt wohnenden Schwiegersohn und Tochter hätten einen Stein im Garten, der ihnen nicht mehr gefiele und möglichst bald entfernt würde. „Ich sei doch in Steine vernarrt“. Christa hatte recht, und ich schob ohne Aufschub mit der Schubkarre zum Tatort.

Das spielte sich etwa 1975 ab. Seit dem steht der Stein auf unserer Terrasse und ist ein interessanter Hingucker für uns selbst und unsere Besucher. Damit wird es Zeit, das seltene Stück zu beschreiben: Der Steinblock besteht aus hellem bayerischen Sandstein in den Abmessungen 140x70x20 cm. Er zeigt beidseitig durchgehend dieselbe künstlerische Ausformung (s. Foto). Aber nun auch zu seiner Herkunft: Er fand gemeinsam mit zahlreich Steinmetz-Arbeiten seinen Platz im äußerst aufwendigen und pompösem Treppenhaus des Verwaltungsgebäudes des Norddeutschen Lloyd in Bremen. Geplant und gestaltet vom damals schon berühmten Senats- und (Star)-Architekten Johann Georg Poppe aus Bremen (1837-1915). Der Bau dauerte von 1901-1910. Schon 1968 musste das Gebäude einem Neubau des Kaufhauses Horten weichen. Nur wenige, zum Teil auch ramponierte, Relikte wurden von aufmerksamen Arbeitern gerettet. Solchem unbekannten „Wohltäter“ haben wir zu danken, dass der Schmuckstein auf unserer Terrasse, zu unserer Freude, sein Hiersein fristet. Aber auch die Nachbarschaft nahm Anteil: Ein Ehepaar rief mir 1993 über die Straße zu, eine Zeitung habe über unseren Stein berichtet (s. unten). So weit, so gut, Thema durch!

Man wird nun vielleicht sagen, das ist ja ganz nett, den Stein hätte ich auch genommen, aber ich warte noch auf den Zusammenhang mit der Familienforschung. Das ist richtig, doch „so schnell schießen die Preußen nicht“. Inzwischen gehen noch 20 Jahre ins Land!

Eine familiäre Entwicklung kann in meiner mütterlichen Linie Perleberg verzeichnet werden. Da gründen 1995 In Kassel Volker Jung-Poppe und meine Cousine 2. Grades, Andrea Perleberg, eine Familie. Meine Großeltern, Friedrich Perleberg (1863-1945) und Bertha, geb. Trapp, (1869-1940), sind für deren Kinder, Leonie und Fynn, Ururgroßeltern. So lieb und schön dieses Ereignis auch ist – ich erkenne darin keinen familiären Zusammenhang mit der altehrwürdigen Familie Poppe. Das änderte sich schlagartig, als ich im Frühjahr 2013 von einem mir bis dahin unbekannten Herren, Donald C. Poppe aus den USA, eine E-Mail erhielt. Er fragte mich, ob ich an Lebensdaten der Poppe-Familie interessiert sei. Und ich war es. Inzwischen hat sich daraus ein (recht einseitiger) E-Mail-Verkehr entwickelt mit einem Volumen von etwa 150 Datensätzen (Personen). Einer meiner früheren Kollegen pflegte in solchem Fall zu sagen: „Da steht der Geist vor Ehrfurcht still“. Und ich staune: Womit habe ich das wohl verdient?

Da sitze ich nun am Computer und hänge meinen Gedanken nach. Durchs Fenster sehe ich auf den Stein, der sich diese Story gefallen lassen muss. Johann Georg Poppe hat ihn geplant, entworfen und wahrscheinlich gezeichnet.

Weser Kurier Bremen


   
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